Der Mensch im Spiegel
Wenn du erreicht hast, was du wolltest, dir jeder anerkennend Lob und Beifall zollt und die Welt dich für einen Tag zum Gewinner macht, dann stelle dich vor einen Spiegel, schau hinein und höre, was der Mensch im Spiegel dir zu sagen hat.
Es ist weder dein Vater noch deine Mutter, weder deine Frau noch dein Mann oder Partner, es sind auch nicht deine Freunde, vor deren Urteil du bestehen musst.
Der einzige Mensch, dessen Meinung für dich zählt, ist der, der dich aus dem Spiegel anschaut.
Viele Menschen halten dich für entschlossen und aufrecht. Sie nennen dich einen wundervollen Mann oder eine phantastische Frau. Doch der Mensch im Spiegel nennt dich schlicht einen Versager, wenn du ihm nicht offen und ehrlich in die Augen sehen kannst.
Auf ihn und nur allein auf ihn kommt es an. Kümmere dich nicht um die anderen, denn nur er ist bis ans Ende deiner Tage stets bei dir. Du hast erst dann die schwierigste aller Prüfungen wirklich bestanden, wenn der Mensch im Spiegel dein bester Freund geworden ist.
Auf deinem ganzen Lebensweg kannst du die Welt betrügen und belügen und dir anerkennend auf die Schulter klopfen lassen, doch dein Lohn werden Kummer, Trauer und Schuldgefühle sein, wenn du den Menschen im Spiegel betrogen, belogen und enttäuscht hast.
Text: Arthur Lassen
Teil 1
Erinnert ihr euch?
Daran, wer ihr seid? Und woher ihr kommt?
Erinnert ihr euch daran, warum ihr hier seid?
Erinnert ihr euch an das Spiel?
Das Experiment?
Vielleicht nicht… noch nicht......
Dies war Teil der Spielregeln – Regeln, die WIR aufgestellt haben, als WIR uns das Spiel ausgedacht haben. Regeln, über deren Einhaltung wir uns mit der Quelle einig waren, als wir uns dazu entschlossen haben, das Große Experiment durchzuführen.
Das Spiel gestaltet sich wie eine Theaterproduktion. Die Schauspieler kommen alle dran, jeder spielt seinen Part auf der Bühne des Großen Experiments. Regel Nummer 1 ist, dass sie sich nicht erinnern… an gar nichts. Sie haben verbundene Augen und dürfen keinen Blick auf die Spielregeln oder Instruktionen werfen. Die Schauspieler werden auf der Bühne positioniert, ohne Skript und ohne Spickzettel, um miteinander zu interagieren und zu improvisieren. Die einzigen Hilfsmittel, die sie bekommen, sind die im Hintergrund ablaufende Filmmusik und ihre Auffassungsgabe für die Hinweise und Kurzinfos, die sie während ihres Parts von einander bekommen.
Als wir uns entschlossen haben, Das Spiel zu spielen, gab es bestimmte Spieler, die sich entschieden haben, ihren Part außerhalb der Bühne zu spielen. Sie haben nicht vergessen, und sie haben keine Augenbinden angelegt. Diese Spieler versteckten sich hinter dem Vorhang und hatten unbeschränkten Zugang zu den Spielregeln und Instruktionen. Sie wussten darum genau, wie das Große Experiment sich entwickeln würde. Diese Spieler entschieden sich für die Rolle der Direktoren.
Am Beginn des Experiments lief das Spiel ganz reibungslos. Die Spieler interagierten miteinander, improvisierten und lernten der Hintergrundmusik und ihren Interaktionen untereinander Hinweise zu entnehmen. Dann begannen die Direktoren sich sehr zu bemühen, sie proklamierten ihre Autorität und fingen an, sich ins Spiel einzumischen. Sie begannen, vom Seitenstreifen aus Anweisungen zu geben und Regeln aufzustellen, die die Spieler durcheinanderbrachten. Die ihnen die Fähigkeit nahmen, wirklich miteinander zu interagieren, indem sie auf einmal neue Richtungsangaben hineinriefen, die unter den Spielern Trennung und Teilung verursachten, sie in Teams aufteilten, sodass sie ihre Fähigkeit verloren, als eine ganze Gruppe zusammenzuarbeiten.
Um die Gruppen organisiert zu halten, positionierten die Direktoren Führer in ihrer Mitte. Diese waren ihre Übermittler und dafür verantwortlich, dem Rest der Gruppe die neuen Regeln und Vorschriften zu diktieren. Sie forderten absoluten Gehorsam ein, und ihre Stimmen übertönten die Hintergrundmusik und störten die Fähigkeit der Spieler, miteinander zu interagieren und dabei ihre Intuition und Auffassungsgabe zu benützen.
Die Direktoren erlaubten diesen Führern, den Spielern Regeln zu diktieren, die sie darin bestärkten, ihre Gruppen mit Fesseln aus Angst und Ketten des Misstrauens zu binden, Misstrauen gegenüber jedem außerhalb dieser Gruppe. Die Direktoren applaudierten, denn sie dachten, diese Fesseln würden die Gruppen auf ewig zusammenhalten, egal ob das Experiment endete oder nicht. Sie weideten sich an ihrer Überlegenheit und glaubten, sie hätten nun auf immer die Kontrolle…
Dabei vergaßen sie jedoch etwas enorm Wichtiges!
Als das Große Experiment sich seinem Ende zuneigte, geschah etwas Erstaunliches. Innerhalb der verschiedenen separaten Gruppen begannen Spieler zu realisieren, dass etwas nicht stimmte. Sie begannen wieder der Musik zuzuhören. Sie begannen sich zu erinnern – daran, dass es nicht nur andere Gruppen auf der Bühne gab, sondern dass sie alle in demselben Spiel miteinander spielten. Als sie sich daran erinnerten, streckten sie ihre Arme nach den Spielern in anderen Gruppen aus und reichten sich die Hände, bis die Bühne aussah wie ein gigantisches Netz von verbundenen Wesen. Als sie sich nacheinander ausstreckten, begannen die Fesseln der Angst zu zerreißen, und einer wurde zum anderen hingezogen…
Die Direktoren mochten das alles ÜBERHAUPT NICHT. Ihre Rufe von außerhalb der Bühne erhielten plötzlich nicht mehr die Aufmerksamkeit der Spieler wie früher. Sie wussten, dass sie an ihrem Spiel teilnehmen mussten, um ihre Kontrolle aufrechterhalten zu können. Also sprangen sie auf die Bühne, jedoch in Verkleidung. Sie nahmen die Züge von Wesen aus der Geschichte an, aus religiösen Legenden und Überlieferungen. Die Direktoren betraten die Mitte der Bühne und arbeiteten sich ihren Weg durch die Gruppen, überschütteten die Führer mit Glanz und überzeugten die Spieler davon, dass sie hier wären, um sie zu retten… Dass nur sie, die Direktoren in der Verkleidung von „Göttlichen“ Wesen, die Antworten auf all ihre Fragen hätten, und dass die Spieler nur durch sie an ihr großes Ziel gelangen könnten.